Aus der Geschichte der Gemeinde
Fast 800 Jahre läßt sich die Geschichte unserer Gemeinde zurückverfolgen. Sie ist verknüpft mit einem Spital für Lepra-Kranke, das der Rat der Stadt Bremen außerhalb der Stadtmauern errichtete. Dieses „Haus der armen lüde", zu dem auch eine kleine Kapelle gehört, wird im Jahre 1306 erstmals als bestehende Einrichtung erwähnt.
Stift und Kapelle - die zu Beginn des 15. Jahrhunderts durch eine Kirche ersetzt wird – sind dem Andenken des heiliggesprochenen fünften bremischen Bischofs Rembert (Rimbert) geweiht, der ein Schüler und Begleiter Ansgars und dessen Nachfolger war (865 - 888). Aus dieser bürgerlichen (nicht kirchlichen) Gründung entwickelt sich allmählich ein wohlhabendes Stift, das zunehmend auch Gesunde beherbergt, die sich in den "Pröven" (= Pfründe) einkaufen, um dort einen gesicherten, ruhigen Lebensabend zu verbringen. Um das Stift sammelt sich eine Gemeinde. -
Im Jahre 1524 - also schon zwei Jahre nach der ersten reformatorischen Predigt durch Heinrich von Zütphen in St. Ansgarii - beruft der Rat der Stadt den ersten evangelischen Prediger an die Stiftskirche "St. Remberti": Johann Bornemacher, der zwei Jahre später in Verden wegen seines Protestes gegen die Marienverehrung als Ketzer verbrannt wird.
Während des Schmalkaldischen Krieges (1546/47) läßt der Rat der Stadt Stift und Kirche niederreißen, um möglichen Belagerern keinen Schutz zu gewähren.
Erst 1596 wird beides wieder an alter Stelle aufgebaut, wo auch heute noch das Rembertistift steht: An der Rembertistraße. Durch Ratsbeschluß wird im selben Jahr die St. Remberti-Gemeinde mit eigenem Kirchspiel (Sprengel) gegründet. Zu ihr gehören nun nicht mehr allein die Bewohner des Prövens, sondern alle, die vor der Stadt zwischen Bürgerweide und Weser wohnen, einschließlich der Dörfer Hastedt und Schwachhausen; insgesamt ein sehr großes Gebiet. Ebenfalls im Jahre 1596 wird auch die Remberti-Schule gegründet. Das Gebäude von 1852 im Fedelhören beherbergt heute - nach Auflösung der Schule im Jahre 1970 - das Goethe-Institut.
Nach dem Vorbild anderer bremischer Gemeinden wird im Jahre 1611 auch in der St. Remberti-Gemeinde eine Diakonie eingerichtet. Sie besteht aus vier Männern, die ehrenamtlich die "Gotteskiste" (Kollekte) zu verwalten und sich um die Armen, Kranken und Alten der Gemeinde zu kümmern haben. Bis heute ist die ehrenamtliche Tätigkeit der Diakonie (inzwischen hat sie zwölf Mitglieder) typisch für die bremischen Stadtgemeinden.
Auf der Dordrechter Synode von 1618 bekennt sich Bremen zum Calvinismus, der in der Stadt vorherrscht und alsbald in Gottesdienst- und Gemeindeordnungen das kirchliche Leben der Stadt bestimmt.
Mit dem Westfälischen Frieden (1648) werden der Dom und die ehemals erzbischöflichen Besitzungen lutherisch, darunter auch einige Gebiete des Remberti-Sprengels, dessen reformierte Bewohner sich allerdings weiterhin zu ihrer Gemeinde halten. Das Personalgemeindesystem hat hier eine seiner Wurzeln.
Weil die alte St. Remberti-Kirche baufällig und für die wachsende Gemeinde zu klein geworden war, wird 1738
eine neue gebaut, eine schlichte reformierte Saalkirche, die "im weiten Umkreis von Bremen als die freundlichste
und zierlichste" gepriesen wird. Mit der Wende zum 19. Jahrhundert stehen in St. Remberti Theologen auf der Kanzel,
die im Geiste der Aufklärung und des Rationalismus predigen. Der bekannteste von ihnen wird Wilhelm Nagel, der einer
Amtsenthebung wegen zu
freisinniger Predigten nur knapp entgeht. Seitdem ist die Verpflichtung zu intellektueller
Redlichkeit und zu kritischer Freiheit in bezug auf überlieferte Kirchenlehren maßgeblich für die Remberti-Gemeinde
und ihre Prediger.
Im Jahre 1826 wird an der St. Remberti-Kirche eine zweite Pfarrstelle für die lutherischen Bewohner des
Sprengels eingerichtet. Um sie sammelt sich eine eigene lutherische Gemeinde die 1897 mit der reformierten
St. Remberti-Gemeinde vereinigt wird und sich seitdem als "uniert" versteht.
Im Jahre 1842 wird auf Betreiben des Bürgermeisters Johann Smidt, der selbst Mitglied der Gemeinde ist, das
Stift von der Gemeinde gelöst und ist seitdem eine selbständige Einrichtung. -
Die fünfte und größte Kirche der Gemeinde (1.200 Plätze) wird 1871 fertiggestellt - die letzte am alten Ort neben dem Stift.
Durch starke politisch-theologische Gegensätze kommt es im Jahre 1922 zur Spaltung der Gemeinde, die allerdings im Jahre 1933 - als beide Pfarrstellen neu zu besetzen sind - beendet wird.
Nach dem 2. Weltkrieg wird das Zentrum des Gemeindelebens aus
der Innenstadt nach Schwachhausen verlegt. Schon 1951 wird eine neue
Kirche eingeweiht, die von Eberhard Gildemeister in Anlehnung an frühere Kirchbauten
als Saalkirche mit einem Dachreiter entworfen wurde. In ihr wird zwei Jahre später als kostbarster Schmuck der
zweite Guss eines Kruzifixes von Ernst Barlach angebracht.
Der "Umzug" aus der Innenstadt wird im Jahre 1959 mit der Fertigstellung des Gemeindehauses abgeschlossen.